Magische Morgenmedizin

Magische Morgenmedizin

Wie ich bereits erzählt habe (Aufstehen I), muss ich nach dem Aufstehen immer Pippi machen. Muss! Nicht weil ich will, sondern weil Frauchen explizit darauf besteht. Morgens ist unser erster Gang immer der in den Garten.

Klaro beeile ich mich, hab schließlich Kohldampf. Diese lästige Tätigkeit ist die reinste Zeitverschwendung. Sie könnte durchaus erst viel später stattfinden. Zudem ist es der einzige Moment, in dem ich Frauchen morgens aus den Augen lassen muss. Höchst ungern!

Warum?

Na, sie ist morgens noch verpeilter als sonst. Sobald sie den ersten Fuß aus ihrem Körbchen hievt, ist Vorsicht geboten. Es ist, als ob sie ihren Kopf unter dem Arm trägt.

Gleich, wenn ich aus dem Garten wieder rein komme – den Katzen habe ich natürlich ordentlich Bescheid gegeben – suche ich Frauchen. Sie ist meist im nassen Raum. Die darf drinnen Pippi machen. Ungerecht! Okay, während sie da hockt, fange ich an ihr klar zu machen, dass es eilt. Stupfe mit der Nase an ihr Bein, lasse mir ordentlich den Rücken kraulen … Im Sitzen kann sie das alles. Warum sie sich immer die Hände waschen muss, ist mir ein Rätsel. Solch zeitfressende Eigenheiten stehe ich ihr gern zu, aber nicht, wenn es um mein Fressen geht!

Dann muss sie sich ihre Morgenschuhe anziehen. Hihi, ein sehr gefährlicher Moment. Unter dem einen Arm klemmt geisterhaft ihr Kopf, mit dem anderen versucht sie stolpernd in ihre Schuhe zu schlüpfen. Ich helfe, so gut ich kann. Umkreise sie, stupse mit der Nase. Richtig wach ist sie dabei nicht. Ist sie zu langsam, gebe ich Laut.

Danach achte ich höllisch genau darauf, dass sie direkt die Küche ansteuert. Sie eiert ein wenig, aber das morgendlich immer gleiche Ritual kommt meiner Geisterliese entgegen. Heute gibt es zum Fleisch ein Stück Apfel und Frischkäse. Sehr lecker. Den Apfel lege ich kurz zur Seite, der kommt zum Schluss.

Frauchen bereitet sich dann ihre magische Morgenmedizin. Sie riecht bitter und schmeckt widerlich! So’n braunes Zeug. Phhhh! Aber sie hilft.

Sobald Frauchen einen Schluck davon genommen hat, grunzt sie selig in sich hinein. Im gleichen Augenblick beginnt ihr Kopf von unter ihrem Arm dorthin zu wandern, wo er richtigerweise sitzen soll. Noch funktioniert er zwar ein bisschen langsam, aber mit dem Ende des Riesenbechers dieser braunen Brühe gibt sich auch das.

Einen fröhlichen Guten Morgen euch allen …

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