Aufstehen I – Die drei Stufen zum Erfolg

Aufstehen I – Die drei Stufen zum Erfolg

Dieses widerliche Geräusch!

Wozu benötigt sie dieses furchtbare Klingeln, sie hat doch mich?

Aber eines ist gut daran, es bedeutet: Fressen!

„He, Frauchen, los komm schon, aufstehen! Nun mach schon. Ooch, komm doch endlich!“ Lästigerweise besteht Frauchen darauf, dass ich vorher Pipi machen müsse, aber danach ist mein Napf voll. Hmmmm, und lecker ist es immer. Aber auch sehr hart verdient.

Es ist schon ein Kreuz mit ihr, ganz besonders morgens. Als ich klein war, kam dieser furchtbare Ton, sofort stand sie senkrecht, klemmte mich unter den Arm und brachte mich in den Garten. War nie auch nur eine Minute zu spät. Danach gab‘ s etwas zu fressen und wieder ab ins Körbchen, Heia machen.

Und heute? Was hat sich denn geändert? Okay, dieser furchtbare Laut quäkt nur noch einmal am Tag, wenn es hell wird. Sie murmelt um diese Zeit immer sehr merkwürdiges Zeug vor sich hin, ihre Hand kommt unter der Bettdecke hervor, sucht das Ding mit dem nervigen Ton. Zack, ist es leise. Oft fährt die Hand dann ziemlich fahrig über meinen Kopf oder auch Bauch, je nachdem wie ich es mir gemütlich gemacht habe und verschwindet wieder unter der Decke. Das Spiel wiederholt sich mindestens drei Mal.

Ich werde mit jedem Mal verständlicherweise nervöser. Könnte sie mich vergessen haben? Nicht mit mir, bin doch nicht doof! Es ist ganz einfach, sie aus ihrem Körbchen zu holen.

Erste Stufe: einfach neben ihrem Gesicht ‚Sitz‘ machen und hypnotisieren. Funktioniert immer. Sie guckt mich an, streichelt mich, murmelt etwas und – oooh, schlechtes Zeichen! – dreht mir den Rücken zu.

So nicht!

Zweite Stufe: Ich wandere um sie herum, stolpere über die langen Beine – sie hat nur zwei davon, wie kann man so laufen? – und gehe wieder in Richtung Kopf. Auch dort mache ich wieder ‚Sitz‘, genau vor ihren geschlossenen Augen. Dann zappele ich von einem Vorderbein auf das andere. Jaaa, das hilft. Sie schlägt die Augen auf und ich werde am Bauch gekrault – sie kann diese Zappelei gar nicht leiden. Wenn das Kraulen in eine Ganzkörpermassage übergeht, ist sie soweit, bereit zum Aufstehen.

Aber Wehe, das Kraulen wird schwächer und ihre Hand erschlafft. Frauchen dreht sich dann meist auf den Rücken und murmelt wieder komische Dinge. In der Situation hilft nur noch Stufe drei: ich visiere genau an, berechne die sich aus der Entfernung und der Höhe ergebende Fallkraft, um zum einen zielgenau und zum anderen mit ausreichender Wucht genau auf dem Magen von Frauchen zu landen. Die richtige Berechnung zeichnet sich durch einen lauten Zischlaut seitens meines Frauchens aus, der in der Regel mit einer Aufwärtsbewegung der Füße als auch des Kopfes einhergeht. Ich mache es mir auf ihrem Bauch bequem, putze mich ein wenig, was mit einigen Turnübungen dort oben verbunden ist. Bevor ich jede Pfote einmal inspiziert und beknabbert habe, heißt es dann schon: „Los, raus aus der Kiste!“

Geht doch.

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