Felllosen-Psychosen

Kaum steht die Sonne tiefer, sacken die Temperaturen auf gemütlichere kühle Kuschelgrade herab, haben meine felllosen Ladies ein Problem: Während ich für meinen Spaziergang lediglich dieses leidige Halsband anlegen muss, sucht Frauchen nach passenden Schuhen, ner Jacke, die für das Wetter angemessen ist und ihrem Hut. Dabei hüpft sie immer wieder auf den Balkon und schnüffelt in der Luft. Wozu, erschließt sich mir nicht wirklich. Ihr Riechorgan ist so minimal ausgeprägt …
Bis wir endlich loskommen, vergeht wertvolle Gassizeit.
Heute kommt Tante Karin mit. Sehr gut.
Egal wie ausführlich die beiden über ihre Kleidung zu diesem Wetter nachgedacht haben, sie passt nie wirklich. Während mein Fell mich immer korrekt temperiert, mummeln sich die beiden im Schatten tief in ihre Jacken ein.
Als wir den Weinberg hinaufwackeln, machen die beiden alles auf. Lustig. Nachher ist wieder alles zu. Ganz schön anstrengend.

Da geht's rauf, Mädels ...
Da geht’s rauf, Mädels …

Aber jetzt muss ich mich konzentrieren. Die Gerüche sind zu dieser Jahreszeit ganz anders als im Frühjahr. Meine Mädels auch. Wenn die Sonne Anfang des Jahres wieder herauskommt, begrüßen sie euphorisch jedes einzelne Blümchen. Außerdem riecht es im Frühling durchdringend nach Wurst (Der Duft des Fühlings).

Jetzt haben die Zweibeiner andere Prioritäten hier draußen: sammeln begeistert nicht Essbares vom Boden auf, begeistern sich für die Farben der Blätter … Phh!
Wichtig sind die überlebensnotwendigen Dinge des Lebens, trotz Konservendosen.

Herbsttrauben
Herbsttrauben

Mir dringt gerade der ureigene Geruch dieser Gegend in meine Nase. Es riecht nach matschiger Traube, angegammeltem Brötchen, vertrockneter Wurst … Ahhh, hier ist ne Igelspur, … Hmmm, Marder? … Ja, ja der, der ist gut … Das ist nen ….

„Miele!!!!!!!“

Was denn?! … Hase! Yipppiieeehhh … Mittagessen ….

„Miele!!!!!“

Ihr stört Mädels! Och man, jetzt isser weg. Aber die Spur, die … Jajajajaja, hier iss se,…

„Miele!!!!!!!“

Jaha, ich hab euch gehört. Sind das ewige Spielverderber! Wozu sind wir denn hier? Es wird Winter, wir müssen uns nen Vorrat zulegen.
Ihr trottelt doch auch nicht nur hier entlang, um zu gucken. Jetzt ziehen die schon wieder ihre Jacken zu.
Ist ja schon gut, ich komm‘ schon.

Bunter Weinberg
Bunter Weinberg

Hihi, die merken gar nicht, dass sie einer viel spannenderen Spur folgen: Reh haben wir schon lange nicht gehabt.

Los, Mädels, mir nach. Auf dass es euch wieder warm wird …

Zehnt

Zehnt (Dezem): seit dem 9. Jh. die meist jährlich wiederkehrende Abgabe eines Teils der Erträge (Feld-, Blut-, Fleisch- oder Viehzehnt), Brockhaus 2001

Frauchen verdient ihr und mein Fressen mit Arbeiten. Das bedeutet, sie hockt im Büro vor einer Flimmerkiste und redet ziemlich viel. Ich begleite sie jeden Tag und unterstütze sie, wo ich kann. Ist ziemlich anstrengend und ermüdend, da ich nicht nur auf sie aufzupassen habe, sondern auch auf meine Mädels. So’n Hühnerhaufen ist ganz schön lustig, aber auch ganz schön schwer beisammen zu halten.

Da ich im Büro hart arbeite, steht mir eine entsprechende Bezahlung zu. Wer arbeitet schon umsonst?
Ich berechne einen Zehnt von jeder Mahlzeit. Dass ist durchaus angemessen, entspricht den Größenverhältnissen und orientiert sich zudem an meinem Arbeitsvolumen. Viele meinen, dass Hunde nicht rechnen können. Ha! Wenn ich nicht wüsste, was ein Zehnt ist, dann würde ich doch verhungern! Bin doch nicht unterbelichtet. Und selbst wenn ich es nicht von Beginn an gewusst hätte, hier hätte ich es sofort gelernt. Dreisatz, Prozente, Steuern, davon reden die hier den ganzen Tag. Das lernt selbst der dümmste Hund!

Frauchen und ihre Mädels benötigen in arithmetischen Dingen keinerlei Nachhilfe. Aber manchmal sind sie ein wenig vergesslich, dann muss ich mich entsprechend in Erinnerung bringen. Mit meinem schottischen Terrier-Köpfchen fällt mir das natürlich nicht schwer. Wenn der Joghurtbecher zum Ausschlecken als Draufgabe abfällt, hab ich alles richtig gemacht.

Ich liebe meinen Job!

PS: Ich stehe vor allem auf den Fleischzehnt. Aber die Dinge vom Feld sind auch nicht zu verachten. Da bin ich flexibel ;-))

Magische Morgenmedizin

Wie ich bereits erzählt habe (Aufstehen I), muss ich nach dem Aufstehen immer Pippi machen. Muss! Nicht weil ich will, sondern weil Frauchen explizit darauf besteht. Morgens ist unser erster Gang immer der in den Garten.

Klaro beeile ich mich, hab schließlich Kohldampf. Diese lästige Tätigkeit ist die reinste Zeitverschwendung. Sie könnte durchaus erst viel später stattfinden. Zudem ist es der einzige Moment, in dem ich Frauchen morgens aus den Augen lassen muss. Höchst ungern!

Warum?

Na, sie ist morgens noch verpeilter als sonst. Sobald sie den ersten Fuß aus ihrem Körbchen hievt, ist Vorsicht geboten. Es ist, als ob sie ihren Kopf unter dem Arm trägt.

Gleich, wenn ich aus dem Garten wieder rein komme – den Katzen habe ich natürlich ordentlich Bescheid gegeben – suche ich Frauchen. Sie ist meist im nassen Raum. Die darf drinnen Pippi machen. Ungerecht! Okay, während sie da hockt, fange ich an ihr klar zu machen, dass es eilt. Stupfe mit der Nase an ihr Bein, lasse mir ordentlich den Rücken kraulen … Im Sitzen kann sie das alles. Warum sie sich immer die Hände waschen muss, ist mir ein Rätsel. Solch zeitfressende Eigenheiten stehe ich ihr gern zu, aber nicht, wenn es um mein Fressen geht!

Dann muss sie sich ihre Morgenschuhe anziehen. Hihi, ein sehr gefährlicher Moment. Unter dem einen Arm klemmt geisterhaft ihr Kopf, mit dem anderen versucht sie stolpernd in ihre Schuhe zu schlüpfen. Ich helfe, so gut ich kann. Umkreise sie, stupse mit der Nase. Richtig wach ist sie dabei nicht. Ist sie zu langsam, gebe ich Laut.

Danach achte ich höllisch genau darauf, dass sie direkt die Küche ansteuert. Sie eiert ein wenig, aber das morgendlich immer gleiche Ritual kommt meiner Geisterliese entgegen. Heute gibt es zum Fleisch ein Stück Apfel und Frischkäse. Sehr lecker. Den Apfel lege ich kurz zur Seite, der kommt zum Schluss.

Frauchen bereitet sich dann ihre magische Morgenmedizin. Sie riecht bitter und schmeckt widerlich! So’n braunes Zeug. Phhhh! Aber sie hilft.

Sobald Frauchen einen Schluck davon genommen hat, grunzt sie selig in sich hinein. Im gleichen Augenblick beginnt ihr Kopf von unter ihrem Arm dorthin zu wandern, wo er richtigerweise sitzen soll. Noch funktioniert er zwar ein bisschen langsam, aber mit dem Ende des Riesenbechers dieser braunen Brühe gibt sich auch das.

Einen fröhlichen Guten Morgen euch allen …