Donnernder Peter

9. Tag
Meine neue Lieblingsbeschäftigung? Matschlaufen.
Es quatscht und schmatzt durch die Pfoten hindurch – nach der langen Durststrecke diesbezüglich, eine Wohltat (siehe „Pfotenäger I“ oder „Pfotenärger II“) – nix zwackt und zwickt, keiner schimpft – ja, genau: Frauchen – ich solle mich nicht so einschweineigeln. Das Wort „Sudelsau“ ist hier noch nie gefallen. Auch Abnutzungserscheinungen an den Pfoten sind durch den weichen Untergrund nicht zu ersehen. Ein eher marginales Problem ist das Festbacken des Schlicks an meinem Fell, es wird mit der Zeit immer schwerer, wie Rastalocken.

Natürlich, weiß ich was das sind, bin ja nicht von nem anderen Planeten! So sieht man aus, wenn Frauchen die Bürste endlich verbrennen würde.

Gegen den Matsch im Fell hilft immer wieder ein kurzes Bad im Meer. Da es zurzeit wohl keine Lust hat, uns zu besuchen, nehme ich es mit den kleinen Bächlein im Watt vorlieb – Frauchen sagt „Pril“ dazu.

Je weiter wir uns in diesem glitzernden und gluckernden Gelände fortbewegen, desto häufiger kommen wir an solchen Wasserläufen vorbei. Man muss erst sehr vorsichtig den Untergrund testen. Da Frauchen die längeren Beine hat, lasse ich sie an solchen Stellen vorgehen. Sicher ist sicher.
Heute wagen wir uns besonders weit. Sind auf vollkommen unbekanntem Terrain angekommen.

Was?
Was war das?
Ich springe schnell zu Frauchen.
Erneut rollt ein dunkler, drohender Donner über uns hinweg.
Wir müssen umdrehen … Frauchen, nun mach schon!
Dieses sture Weib! Wenn die so weiter macht kündige ich!

Natürlich läuft sie einfach weiter.
Wieder donnert es.

Hinter uns ist der Himmel dunkel, fast schwarz, aber vor uns ganz hell. Vielleicht hat sie doch recht? Wir legen einen Zahn zu. Ist jetzt nix mit schnuffeln. Ich muss dicht bei Frauchen bleiben und auf sie aufpassen, ihr die nötige Sicherheit in dieser gefährlichen Situation geben.
Ahhhh, ich sehe in einiger Entfernung eines dieser Stelzenhäuser.

Axels Strandhütte am Südstrand
Axels Strandhütte am Südstrand

Hmhm, ich sag‘ doch, Frauchen ist ’nen clever Mädchen, das Haus ist näher als „Axels Strandhütte“, von wo wir losgelaufen sind.
Wir sind ziemlich schnell dort. Es hört nicht auf zu donnern, aber der gefährliche Himmel hat uns nicht eingeholt. In dem Stelzenhaus „Die Seekiste“ gibt es erst einmal einen ordentlichen Snack, bevor wir uns durch die salzigen Wiesen auf den langen Rückweg machen.

Böhler Leuchtturm
Böhler Leuchtturm

Frauchen-PS: Bei der Seekiste wurde der Holzsteg ausgetauscht. Die Bohlen wurden von einem Bagger in einen riesigen Container geworfen. Aus der Entfernung war das Geräusch nicht zu unterscheiden.

10,88 km oder 13.907 Frauchenschritte oder 41.721 Schritte für Emiglia

Fisch-ohne-Flossen-Salat

8. Tag
Nun ist nicht nur das Meer futsch, die Sonne hat sich auch verkrümelt. Frauchen und ich machen uns trotzdem auf den Weg. Nachdem ich Frauchen gestern habe eintrichtern müssen, wo sie in dieser Matsche laufen darf, habe ich in dieser Hinsicht mit ihr heute keine Schwierigkeiten. Wir laufen die bekannte Stecke und trotzdem riecht sie erneut vollkommen anders.

Warum muss Frauchen eigentlich immer maulen, wenn ich mal an etwas länger rumschnuppere?

Jeder von uns hat in unserem Team seine Aufgabe: Frauchen sucht die Richtung aus und ich bestimme den Weg. Sie behält den Überblick – mit den Augen – und ich sichere die Gegend – mit der Nase – womit denn sonst? Dass ich der Chef bin, damit muss ich besser hinter dem Berg halten. Frauchen ist schließlich nicht soooo blöd. Aber ich weiß genau, wie ich sie handhaben muss.

Wie?
Ich soll verraten wie das geht?
Ganz bestimmt nicht!
Wozu habe ich sie jahrelang beobachtet und studiert?
Neeneenee, die Früchte meiner Arbeit ernte ich lieber selbst.
Wer weiß, was andere mit diesem sehr speziefischen Wissen anfangen könnten …

Iiiiiiiggghitttttt! Was ist das denn?
Salat?
Von wegen! Dieses Mal sehe ich es Frauchen an, wie sich mich zum Narren halten will.

Es riecht nach Fisch.
Es wabbelt, wenn man mit der Nase dran stubst.
Ein Fisch ohne Flossen?
In Rund und lila?

Quallensalat?
Quallensalat?

Wahrscheinlich bin ich in den letzten Tagen einfach zu viel gelaufen. Werde schon ganz high davon, hihi! Vielleicht sollten die im Hotel Frauchen heute Abend den Ohne-Flossen-Fisch-Salat servieren.

8,09 km oder 10.119 Fraucheschritte oder 30.357 Schritte für Emiglia

Haufen-Laufen

7. Tag
Frauchen ist clever. Muss ja mal gesagt werden. Sie hat begriffen, dass die ganze Lauferei zwar ne ganze Menge Spaß bringt, aber der Länge meiner Pfoten recht abträglich sein könnte. Nun fahren wir das erste Stück.

Den Weg heute kenne ich schon, dass ist der, an dessen Ende der ganze Matsch ist. Ich glaube, das Wasser hat heute frei. Oder habe ich ihm in den letzten Tagen doch ausreichend Respekt eingeflößt? Nun ja, Frauchen und ich haben freie Bahn.
Hm? Das gefällt mit nicht.

Frauchen.
Frauchen!!
Frauuuuuuuchen!!!!!!

Mist, auf diesem Ohr hört dieses Weib aber auch gar nix! Gleich hinterher. Die geht einfach in den glitschigen Schlick rein, immer Richtung Wasser, welches man ganz hinten glitzern sieht. Die spinnt doch!
Puh, ist das schwer hier zu laufen.

Frauuuchennnnnn!!

Heh! Gibt mir meine Pfote wieder! Dieses mistige Glibberzeug gibt meine Beine nicht her. Ich stecke fest und sinke immer tiefer! Mein Bauch liegt schon auf.
Ah, sie hat es kapiert! Wurde ja auch langsam Zeit. Als wir umdrehen, Richtung Land, gibt der Matsch meine Füsse wie von von ganz allein frei ;-)))

Meine Große glaubt mir wirklich alles! Hihi!

Jetzt gehen wir in einem gesitteten Abstand zum Rand vom Matsch. Es schnuffelt hier unglaublich spannend nach Dingen, die ich noch nie gerochen habe.
Das hier.
Oder das.
Aber eines ist hier wirklich merkwürdig: Warum lassen die die ganzen Haufen liegen?

Wattwurmkackhaufen
Wattwurmkackhaufen
Mondlandschaft
Mondlandschaft

Gibt es dafür nicht genügend Tüten? Wer produziert die denn alle? Und warum riechen die nicht nach … einem Vierbeiner? Gibt es hier keine Watt-Polizei, die die Übeltäter packt?
Bei uns zu Hause passen die anders auf (siehe auch „Polizei„). Aber da ist auch kein Urlaub.
Nach dem Schlickgerutsche gibt es erst einmal ordentlich etwas zwischen die Kiemen.

Puh, Urlaub ist toll!

7,83 km oder 9.942 Frauchenschritte oder 29.826 Schritte für Emiglia