Rettungsassistent

Es ist mir vollkommen schleierhaft, wie Zweibeiner ohne einen Vierbeiner zurecht kommen können. Diese felllosen Wesen sind in vielerlei Hinsicht tollpatschig und hilfsbedürftig.
Okay, ich verstehe sehr wohl, dass es einige Zweibeiner gibt, die gar nicht in der Lage sind zu erahnen, welch‘ große Hilfe ein Vierbeiner in ihrem Leben darstellen kann. Die sind wirklich arm dran.
Nicht falsch verstehen, ich bedauere sie nicht. Denn sie können ja gar nicht begreifen, wie erquicklich und viel einfacher oder sicherer das Leben sein könnte, mit einem Vierbeiner an ihrer Seite. Aber genug.

Was ich eigentlich erzählen wollte, ist, dass wir – Frauchen und ich – immer auch ein Auge auf die OHNE haben.

Zum Beispiel meine Tante Karin: Letztens hat Frauchen mich als Security mit ihr mitgeschickt.

Ja, natürlich mich! Wen denn sonst?
Tseee, meine Fähigkeiten werden bestimmt nicht an meiner Körpergröße gemessen.

Erst wusste ich nicht so genau warum. Wir waren in dem Haus mit dem Ausguck rundherum. Ist sehr praktisch. Ich muss nicht immer hinter ihr herdackeln, sondern kann gemütlich von oben in jeden Winkel des Gartens schauen und meine Tante im Auge behalten.

Katzen? Trauen sich nicht.
Monstertrucks auf dem Feld? Haben vom letzten Mal noch genug.
Ratten? Lassen ihren Rüssel während meiner Anwesenheit im Loch.
Schnecken? Ich bin doch nicht für alles Getier zuständig!

Beim Spaziergehen hat Tante Karin die Superstrecke am Wasser rausgesucht. Bin gleich reingesprungen. Wenn ich schon den ganzen Tag Wache halte, benötige ich unbedingt einen entsprechenden Ausgleich.

Am folgenden Tag war es ähnlich. Aber dann, dann wusste ich warum Frauchen mir die Reise hat angedeihen lassen. Hüpft meine verrückte Tante doch tatsächlich ins tiefe Wasser rein. Die ist viel zu groß! Mit den schlaksigen Armen und Beinen! Da kann man nicht schwimmen! Also bin ich sofort hinterher. Musste ihr klar machen, dass sie umgehend wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen hatte. War ’nen ganz schöner Kraftakt, sie da wieder heraus zu bekommen.

Puh! Wenn das schief gegangen wäre …

Meine Tante benötigt dringend einen vierbeinigen Kumpel!
Zwei von diesen zweibeinigen Knalltüten im Auge zu behalten, Frauchen und Tante Karin, da wird selbst einem Schotten ganz schön warm.

Und wenn ich an die ganzen anderen OHNE denke … ich mach jetzt Feierabend!!!

Neckarsaufen

Wenn ich mit Frauchen unterwegs bin, benötige ich immer wieder mal eine kleine Wegzehrung. Gern natürlich etwas Fressbares. Aber Frauchen achtet wie ein Adler darauf, dass ich nach Möglichkeit nichts Festes inhaliere.

Saufen ist jedoch auch sehr wichtig. Aus diesem Grund muss ich natürlich immer darauf achten, möglichst nah an das Wasser zu kommen, was manchmal mit einigen Schwierigkeiten verbunden ist.

Huch! Ganz schön tief ...
Huch! Ganz schön tief …

Aber wie heißt es so schön: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Pfingstchillen

Frauchen hat gesagt, ich soll die Enten in Ruhe lassen. Die Nilgänse auch.
Na gut, aber nur weil heute Sonntag ist und Pfingsten.
Enten sind nämlich ziemlich frech und müssen in ihre Schranken gewiesen werden.

Wie? Die sind scheu.
Von wegen! Die sind so frech, dass mich eine schon mal in den Poppes gebissen hat. Jawoll! Und nicht nur einmal.
Nein, ich schäme mich nicht, dass zuzugeben. Ich war schließlich noch jung und unerfahren.

Frauchen und ich sind unten am Neckar gelaufen. Auf einmal schießt so ’ne Ente an mir vorbei, quakt was das Zeug hält und schlägt wild mit den Flügeln. Ja, was denkt die denn? Das ich mir das bieten lasse? Nee, bestimmt nicht. Ich bin hinter der her, wie ne Furie. Habe sie ordentlich verbellt. Sie hat mich angequakt, regelrecht gefaucht! Durch den Krach kam von ganz weit weg Frauchens Stimme zu mir durch. Irgendwann konnte ich die nicht überhören, also habe ich mich nach einem letzten beeindruckenden Kläffer umgedreht und wollte zu meinem Frauchen laufen. Bestimmt!

Da zwickt mich etwas in meinen Poppes. Und wie! Das konnte ich mir nicht bieten lassen. Also bin ich wieder ins Wasser auf den Stein und habe dieses zickige, flügelschlagende Weib ordentlich verbellt. Die wollte mich sogar in meine Nase beißen. Hah! Da hätte ich sie aber gepackt. Danach wollte ich wieder zu Frauchen. Versenkt dieses hinterlistige Entenweib doch wieder ihren bissigen Schnabel in meinen Allerwertesten! Ehrlich, ich habe ihr nochmals ordentlich die Meinung gegeigt und bin dann zu Frauchen.

Okay, im Umdrehen habe ich dann gesehen, warum die so aggro drauf war: Da schwammen nen Haufen kleine Minienten um sie herum. Die wollte wohl nicht, dass ich an denen schnuffel. Ich hätte wirklich nur geschuffelt. Die waren doch viel zu klein. Ehrlich!

Wellenbellen

„Frauchen pass‘ auf!“

Dieses Weib! Kaum ist Wasser in der Nähe, wird sie vollkommen unvorsichtig. Manchmal weiß ich wirklich nicht, ob es sie wegen mir oder wegen ihrer eigenen Spaß-an-der-Freude immer wieder in die Nähe des Flusses zieht.

Klar, ich tolle gern im Wasser herum, wälze mich mit Genuss im Sand oder durch hohes Gras hindurch. Wie das immer so nett an der Nase kitzelt …. Tschiiiii!

Aber Frauchen? Sonst wacht sie mit Argusaugen darüber, dass mir ja nichts passieren kann. Inspiziert jede Zehe und jede Kralle einzeln, wenn ich auch nur zu Stolpern wage. Puhlt in meinem Fell herum, ob dort etwas Gefährliches drin hockt. Hier am Wasser hüpft sie selber von Stein zu Stein, als ob sie eine blonde Labradormischung im vorpubertären Stadium wäre. Dabei bemerkt sie nicht einmal, wie sie von kleinen Knopfaugen aus dem hohen Gras beobachtet wird. Natürlich bin ich zur Stelle und halte diese lästigen grauen Viecher mit dem kahlen Schwanz davon ab, meinem Frauchen etwas an zu tun. Wenn sie sich ihr nähern, packe und schüttle ich sie ganz doll.
Bäh! Phhhh! Brrrr! Schmecken tun die nun wirklich nicht, diese Rattenviecher.

Noch gefährlicher ist aber der Fluss selbst. Er bäumt sich manchmal auf, zieht sich zurück und kommt mit Wucht wieder. Dabei  macht er wilde Geräusche, beißt in die Ufer, leckt an der Begrenzung und schaukelt ordentlich. Ich bin mir nicht sicher, ob der Fluss nicht so ’nen Zweibeiner verspeisen könnte. Frauchen ist vollkommen ahnungslos.

Natürlich nehme ich mich dieser Gefahr an. Ich wirble das Ufer entlang, achte darauf, dass Frauchen nicht zu nah ran geht. Belle aus Leibeskräften – obwohl mir diese Lautstärke vollkommen zuwider ist – und mache diesem nassen Ungetüm klar, wer hier der Chef im Ring ist. Mit mir braucht es sich nicht anzulegen! Letzte Mittel der Wahl sind meine Zähne. Er beruhigt sich daraufhin meist sehr schnell.

Ein Schotte weiß, wie er zu handeln hat.

Hach, es ist aber auch ein Spaß!!!

Königsbauer

„Prost Mahlzeit!!!“
Warum müssen mir immer alle Anwesenden dies mittags im Chor entgegenrufen? Mit diesem vorwurfsvollen Unterton?
Selbst Goethe – irgend so ein schlauer Typ – sagt: „Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmecket?“ Eigenartige Ausdrucksweise, Frauchen redet anders, aber Recht hat er!

Woher ich den Typen kenne? Nicht persönlich. Frauchen steckt ihre Nase doch immer in diese dicken Wälzer und ich pass‘ auf, was sie erzählt. Habe ausreichend Zeit zuzuhören, wenn sie nicht mit mir Gassi geht. Was soll ich denn sonst tun? Nee, nee, immer die Spitz- oder auch Schlappohren aufstellen, dann bekommt hund eine ganze Menge mit. Mehr als Frauchen und Herrchen lieb sein sollte. Hihi!!!

Zumal unsere Physionomie ganz anders aufgebaut ist, als bei den Zweibeinern. Bei denen rutscht das Futter von oben nach unten und die Luft flutscht dran vorbei. Und bei uns Vierbeinern? Da ist alles auf einer Ebene, Luft und Fressen muss sich einen Raum teilen. Wenn’s gut schmeckt, verschwindet der Inhalt des Napfes etwas schneller, die Luft komprimiert in dem sich nicht ausweitenden Raum und muss schlussendlich irgendwo raus. Reine Physik. Am besten mit Ton nach vorn.

„Das ist kein Königsbäuerchen, sondern ’nen Bauer!“ Frauchen muss wirklich überall ihren Senf dazugeben.

König? Wenn, dann Königin, meine Liebe!
Aber der Job ist mir zu anstrengend. Ich bin lieber Prinzessin. Keine Verantwortung. Mit ganz vielen Halsbändern, auch in Pink und mit Glitzer. Mit ’nem persönlichen Bauchkrauler, Bürsten und Waschen sind verboten. Der eigene Dosenöffner, … hach, wär das toll.

Andrerseits, bis auf das Bürsten und Waschen …

Nen, schönen Tag noch, eure Principessa Emiglia Pippilotta