Gelb II

Das Elefanten ein sehr ausgeprägtes Gedächtnis besitzen sollen, ist ziemlich bekannt. Aber kleine Hunde?

Vor einiger Zeit war ich mit meiner schottischen Mickey Maus auf dem Markt. Sie ist immer schwer beleidigt, wenn ich die Einkäufe heimbringe, ohne sie mitgenommen zu haben. Folglich kommt sie mit. Ist auch viel unterhaltsamer, zumal sie es immer wieder schafft, sich an dem einen oder anderen Marktstand durchzuschlemmen.

Normalerweise sitzt sie wie eine Statue neben mir, wartet ab, bis ich mit dem Einkauf der jeweiligen Genüsse fertig bin.

An diesem denkwürdigen Tag, wurde sie unruhig. Begann leise zu fiepen, zog an der Leine. Ich zahlte, Emiglia zerrte heftiger und wurde lauter.

Sofort fiel ich auf die Knie und untersuchte den Hund. Sie gibt seltenst einen Ton von sich. Ungnädig schob sie sich an mir vorbei und jaulte laut auf, nutzte die Gelegenheit und riss mir die Leine bis auf die Schlaufe aus der Hand, sprang regelrecht hinein. Immer in die gleiche Richtung. Ich richtete mich auf, sah mich um. Die Kleine schrie in der Zwischenzeit.

Die Leute blickten sich erschrocken um, was ich dem armen Viech antun würde.

Und dann sah ich sie.

Diese gelbe Farbe stach durch die Menge.

Was für ein Bild: ein schreiender Hund und ein laut auflachendes Frauchen.

Wie von selbst öffnete sich meine Hand und ließ die Leine fahren. Emiglia schoss davon, quer über den Marktplatz.

„Der Hund greift den Postboten an!“, rief eine ältere Dame erschrocken aus.

Im gleichen Augenblick hüpfte der schwarze Feger an den Beinen der Postbotin hoch. Welch‘ eine Freude! Nicht nur beim Hund, sondern auch bei der immer lachenden, super-freundlichen Dame. Sofort hatte sie ihre Box mit den Leckerlis zur Hand. Mein Hund griff eine Portion ab, die einem Rottweiler Bauchschmerzen verursacht hätte.

Die Vorgeschichte?

Als Emiglia noch ganz klein war -14 Wochen, um genau zu sein – kam diese Dame jeden einzelnen Tag zu uns und brachte unsere Briefe ins Büro. Jedes Mal wurde gebubbelt, geknuddelt und gab es etwas zu schmatzen. Vielleicht ein halbes Jahr lang. Dann kam sie nicht mehr. Fünf Jahre später spielte sich die oben beschriebene Szene auf dem Marktplatz ab.

Wer sagt, dass diese kleinen Lebewesen nichts Faszinierendes haben, hat keine Ahnung.

Jeden einzelnen Tag gibt es etwas zu entdecken, zaubert sie, nicht nur mir, ein Lächeln in das Leben.

Gelb

Gelb ist eine grandiose Farbe. So hell, warm und freundlich. Viele Menschen, die diese Farbe tragen, gleichen ihr in ihrer Ausstrahlung. Ich weiß das, habe mit dieser Farbe in den letzten Jahren nur positive Erfahrungen gesammelt.

Wie? Als ich ganz klein war, kam jeden Tag eine gelb gekleidete Dame in unser Büro. Die war super-lustig und hatte immer leckere Sachen dabei. Irgendwann kam sie nicht mehr. Egal wie gut ich mich benommen habe, sie kam einfach nicht mehr, blieb verschwunden.

Später klingelte ab und zu ein gelber Kerl an unserer Tür. Freundlich, aber nicht sonderlich spaßig. Nein, das stimmt nicht ganz! Manchmal trug er kurze Beinkleider. Wenn ich dann an ihm hoch hüpfte, fing er an zu tanzen und quiekte. Hihi! Ein tolles Spiel. Aber Frauchen kann so ein Spielverderber sein! Es kommt ein langweiliges: „Schluss! Sitz!“, und schon hörte der Zweibeiner auf zu tanzen.

Was kann ich denn dafür, dass seine felllosen Beine so empfindlich sind?

Nicht alle Gelben sind gelb angezogen. Manche tragen auch blau oder braun. Aber sie sind alle gleich: hüpfen die Treppe rauf, über mich drüber, geben einen Karton ab, oder zwei und verschwinden schnell wieder. Nein, diese Gelben haben nicht die gleiche Klasse wie die erste Dame.

Jedes Mal, wenn wir unterwegs sind und ich die gelben Zweibeiner sehe, muss ich gleich prüfen, ob es sich um diese super-nette Spezies handelt. Die meisten von ihnen sind wirklich toll, ganz lieb … aber sie reichen nicht an das lustige, lachende gelbe Weibchen heran.

Nur zur Erinnerung: ich bin ein stures schottisches Mädchen. Wir Scotties geben nie auf, niemals, wenn wir uns etwas in den Kopf gesetzt haben.

Also habe ich sie gefunden!

Irgendwann am Markttag stieg mir durch die gesammelten Düfte dieses magischen Ortes, zwischen Hühnchen, Ente, Lamm, Mohrrübe, Leberwurst und irgend so einem komischen Grünfutter, ein ganz spezifischer Geruch in die Nase. Er kitzelte und krabbelte meine Sensoren entlang. Ich erkannte ihn sofort! Entgegen meiner sonstigen Angewohnheit zog ich mein Frauchen quer über den Markt, bis sie die Leine losließ.

Yiippiihh! Da war sie! Lachte und freute sich, hüpfte und zog sofort die klappernde Dose mit den ganz guten Sachen heraus.

In der Zwischenzeit kenne ich ihre neue Route.

Und ich habe einen Spitzenplatz gefunden, um auf sie zu warten.

Über den erzähle ich demnächst etwas mehr. Vielleicht. Alle Geheimnisse darf man nämlich nicht verraten.

Hallo Welt!

Ab heute werde ich mich darum kümmern, dass andere Vierbeiner es künftig etwas einfacher haben, ihre Zweibeiner zu folgsamen Herrchen und Frauchen zu erziehen. Ich kann bereits jetzt jeden nur warnen, dies ist keine Schnellanleitung! Die Erziehung dieser felllosen Individuen kann nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn wir mit stoischer Konsequenz und Ruhe die zu trainierenden Vorgänge permanent wiederholen. Nach ein bis zwei Jahren – manchmal auch schneller – stellt sich der Erfolg von ganz allein ein. Aber nun ist es, nach einem langen Arbeitstag, genug. Ich werde meinen Platz im großen Körbchen sichern und meinem notwendigen Schönheitschlaf frönen.

Bis Bald, eure Emiglia

PS: auf dem Bild bin ich noch sehr klein. Das ist schon eine Weile her.